Münster/Schöppingen - Zeugen über Zeugen hörte das Schwurgericht Münster am vierten Verhandlungstag im Prozess gegen einen 28-jährigen Asylbewerber aus der Zentralen Unterbringungseinrichtung in Schöppingen. Der aus dem Irak stammende Mann muss sich - wie berichtet - wegen Mordes an dem 18 Jahre alten Schüler Kevin im August des vergangenen Jahres verantworten. Der 18-Jährige war von dem Angeklagten auf dem Spielplatz am Kohkamp durch einen Messerstich in den Rücken tödlich verletzt worden.
Durch die zahlreichen Vernehmungen geht die Kammer nunmehr detailliert jeder Spur und jeder Aussage nach, um das blutige Geschehen genau zu beleuchten. Bei den Zeugen handelte es sich Personen aus der Asylbewerberunterkunft sowie Bekannte des Opfers.
Der 41-jährige Leiter der Unterkunft schilderte dem Gericht, dass alle Insassen durch eine Chipkarte beim Aus- und Eingang überprüft werden. Der Angeklagte habe gegen 23.36 Uhr das Haus wieder betreten. „Es war bislang der schlimmste Tag in unserer Einrichtung“, erklärte der 41-Jährige.
Der 47 Jahre alte Pförtner berichtete, dass der 28-Jährige seine Chipkarte nicht benutzte, sondern über das 1,20 Meter hohe Tor sprang, weil Personen ihn verfolgten. Erst später habe er erfahren, dass der Mann einen Schüler erstochen habe.
Auch ein 67 Jahre alter Sozialarbeiter, der gerade beim Eintreffen des Täters einen Rundgang machte, bestätigte, dass der 28-Jährige verfolgt wurde, weil er jemanden getötet haben sollte. „Wir haben ihn dann festgehalten, bis die Polizei kam“, betonte der Zeuge.
Eine 19 Jahre alte Schülerin, die den Getöteten gut kannte, betonte, dass er sehr hilfsbereit und nie aggressiv gewesen sei. Auch habe er ihr angeboten, sie zu beschützen, falls das mal erforderlich werden würde.
Ein 18-jähriger Schüler hatte vor der Tat den 28-jährigen Iraker gegen 22 Uhr an einer Bushaltestelle angetroffen. Er habe um eine Zigarette gebettelt, dann sei er weggegangen. „Ich ging hinter ihm her. Vor der Schlecker-Filiale wollte er mit einer Bierflasche die Tür einschlagen. Doch es ging nur die Flasche zu Bruch. Als Zeugen ihn durch Rufe störten, ging er weg“, berichtete der Schüler.
» Der Prozess wird am kommenden Mittwoch (10. März) fortgesetzt.