Internetabzocke: Isselburger verschicken fingierte Rechnungen - 113 Betrugsfälle

Internetabzocke: Aus Angst vor Ärger überwies ein Teil der angeschriebenen Personen den geforderten Betrag, ohne einen Vertrag geschlossen zu haben.
Internetabzocke: Aus Angst vor Ärger überwies ein Teil der angeschriebenen Personen den geforderten Betrag, ohne einen Vertrag geschlossen zu haben.
(Foto: Colourbox)


Isselburg - Es hätte ein langes Verfahren werden können, doch die beiden Angeklagten waren geständig: Insgesamt 113 Fälle von Betrug und versuchtem Betrug warf der Staatsanwalt den zwei 20-Jährigen aus Isselburg vor. Der eine hatte falsche Rechnungen für einen Internetdienst verschickt, der andere hatte sein Konto für die Zahlungseingänge zur Verfügung gestellt. Ein dritter Täter aus Berlin, den das Gericht als Zeugen geladen hatte, hat sich vermutlich in die Schweiz abgesetzt.

Der eine 20-jährige Isselburger, der für fast identische Taten bereits eine Strafe von einem Jahr und sechs Monaten absitzt, gab zu, der Haupttäter zu sein. Er habe die E-Mail-Adressen von dem Berliner bekommen. Diese habe er dann „in Geld umwandeln“ sollen. „Ich war für alles zuständig, was mit Computern zu tun hatte.“


Dazu entwarf der Isselburger eine Internetseite mit dem Namen www.happyload.com und verschickte von Dezember 2008 bis Februar 2009 Zahlungsaufforderungen per E-Mail. Darin wurde behauptet, die Angeschriebenen hätten einen Vertrag mit happyload.com abgeschlossen und hätten die fälligen 89,99 Euro nicht bezahlt. Weitere Mails die gar mit einer Anwaltskanzlei drohten, folgten. Und tatsächlich zahlten Menschen auf das Konto des zweiten Isselburgers. Dieses brauchte der Haupttäter, denn sein eigenes Konto war bereits wegen der vorangegangenen Betrügereien gesperrt worden.

Der zweite Isselburger räumte das Konto regelmäßig leer. Soweit waren sich die beiden Angeklagten noch einig. Doch der Haupttäter gab an, sein Kollege habe gewusst, dass er Betrügereien betreibe. Der wiederum behauptete, er habe sein Konto nur zur Verfügung gestellt, weil sein Freund kein Konto mehr hatte. Von der Abzock-Masche habe er nichts gewusst. Erst als zwei Betrogene vor seiner Haustür standen und ihr Geld wiederhaben wollten, sei ihm das klar geworden.

Im Verfahren wurde deutlich, dass viel mehr Menschen gezahlt haben müssen, als letztendlich Fälle verhandelt wurden. Von den 113 angeklagten Fällen waren 52 Versuche. Die Angeschriebenen hatten sich gleich bei der Polizei gemeldet. 61 Menschen, die bezahlt hatten, erkannten an den weiteren Mahn-Mails, dass sie auf Betrüger reingefallen waren und erstatteten daraufhin Anzeige. Doch als die Isselburger aufflogen, befanden sich mehr als 10000 Euro auf dem Konto. Das Geld wurde beschlagnahmt. Außerdem gab der zweite Isselburger an, zwei Mal 10000 Euro und ein Mal 5000 Euro abgehoben zu haben. Er selbst habe insgesamt ungefähr 4000 Euro bekommen. Der Haupttäter, der keine Ausbildung und keinen Job hatte, fuhr einen BMW 745i, allerdings ohne je einen Führerschein gemacht zu haben. Auch das Auto wurde beschlagnahmt.

Der Staatsanwalt glaubte dem zweiten Isselburger nicht, dass er sein Konto unwissend zur Verfügung gestellt habe. Er habe eine „tolle Gelegenheit“ genutzt und nicht weiter nachgedacht, aber „Dummheit schützt nicht vor Strafe“. Das Gericht folgte dem Antrag des Staatsanwalts, die Jugendstrafe des Haupttäters auf drei Jahre auszudehnen. Der zweite Isselburger, der sich bisher nichts zuschulden hat kommen lassen, muss eine Geldstrafe von 1000 Euro zahlen.

VON EVA DAHLMANN

06 · 07 · 10



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