Gronau - Vertreter der atomrechtlichen Aufsichtsbehörden und unabhängige Sachverständige haben am Montag in der Urananreicherungsanlage die Untersuchung des Vorfalls aufgenommen, bei dem am Donnerstag vergangener Woche ein 45-jähriger Mitarbeiter durch Uranhexafluorid kontaminiert wurde. Das teilte am Dienstagabend die Urenco Deutschland GmbH mit.
Abschließende Ergebnisse werden erst Ende der Woche erwartet. Als Zwischenstand sei jedoch festzuhalten, dass der betreffende Uran-Behälter nach massenspektrometischen Analysen, die Urenco zwischenzeitlich durchgeführt hat, „geringe Restmengen von Uranhexafluorid enthielt, entgegen der Deklaration des Lieferanten“.
„Der betroffene Mitarbeiter war nur Spuren von Uran ausgesetzt“, heißt es in der Urenco-Mitteilung weiter. „So war die radiologische Belastung des Mitarbeiters äußerst gering. Sie beträgt nach heutigem Kenntnisstand maximal 1,1 Millisievert, das heißt nur etwa fünf Prozent des gesetzlich zulässigen Jahreswertes (20 Millisievert). Die festgestellten geringen Werte von Uran im Urin sind bereits am ersten Tag deutlich zurückgegangen.
Außerdem war die geringfügige Kontamination an Füßen und Beinen nur auf die Bekleidung beschränkt. Die festgestellte leichte Kontamination der Hände kam danach durch Kontakt mit der Kleidung zustande. Die Hände waren jedoch bereits unmittelbar nach dem Unfall sofort vor Ort dekontaminiert worden.“
Urenco will nach eigenen Angaben nicht nur den Hergang des Zwischenfalls analysieren, „sondern auch alle damit verbundenen organisatorischen Abläufe genauestens betrachten, weitergehende, zukunftsgerichtete Verbesserungen festlegen und Maßnahmen zur Vermeidung solcher Vorfälle einleiten“.
Wie das Unternehmen weiter mitteilte, handelt es sich bei dem betroffenen Behälter, an dem der Unfall passierte, um einen sogenannten 30B-Behälter. Diese werden als „Mehrwegbehälter“ zum Transport von angereichertem Uranhexafluorid (UF6) benutzt und bewegen sich zwischen Anreicherer und Brennelementhersteller. Die maximal zulässige Füllmenge liegt bei 2,27 Tonnen UF6.
Die Behälter befinden sich im Unterdruck und werden alle fünf Jahr einem Drucktest (28 bar) unterzogen. Zu diesem Zweck muss nach Urenco-Angaben vorher eine Innenreinigung erfolgen. Der betreffende Behälter sei als gereinigt („clean and washed out“) in der Anlage angeliefert worden. Urenco weiter: „Bevor der Drucktest durchgeführt wird, werden die Behälter in der Behältervorbereitung untersucht. Dazu gehört auch eine endoskopische visuelle Prüfung des Innenraums. Bei der Vorbereitung dieser Prüfung kam es zu der beschriebenen Freisetzung.“
Da die Raumluft der Behälterreinigung gefiltert werde, „kam es zu keinem Zeitpunkt zu einer signifikanten Belastung der Umwelt und keiner Gefährdung der Bevölkerung“, so Urenco weiter.
Kernkraftgegner kritisierten am Dienstag indes die „mangelhafte Aufklärung von Land und Urenco“. Fünf Tage nach dem Vorfall gebe es keine Antworten darauf, wie es zu dem Vorfall gekommen sei, so Udo Buchholz vom Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau. Für Samstag (30. Januar) rufen der AKU und das „Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen“ zu einer weiteren Demonstration in der Innenstadt auf. Beginn soll um 12 Uhr am Bahnhof sein.
Auf Anfrage unserer Zeitung hat sich der Kreis Borken als Träger des Rettungsdienstes zu generellen Fragen, aber auch zu speziellen Fragen rund um den Urenco-Einsatz geäußert. Danach galt der 45-jährige Mitarbeiter aufgrund von Aussagen und Messungen von Urenco-Fachleuten zunächst nicht als kontaminiert. Diese Aussage sei auf Nachfrage durch Experten der Firma im Rettungswagen noch einmal bestätigt worden. Erst im Antonius-Hospital sei dann bei einer erneuten Messung die Kontamination festgestellt worden.