"Gottverlassen" ging unter die Haut

Überzeugte: die schauspielerische Leistung der Gruppe "Theaterblut".
Überzeugte: die schauspielerische Leistung der Gruppe "Theaterblut".
(Foto: Jünck)


Ramsdorf (jü). Stefanie Bockermann, Schauspielerin und Regisseurin aus Münster, gründete im April 2008 die Gruppe "Theaterblut". Theaterblut wohl deshalb, weil es in den Inszenierungen, die die Akteure selber schreiben, ums Ganze geht. Es fließt viel Blut, meistens Herzblut.

Mit der Produktion "Gottverlassen" trat die Schauspieltruppe jetzt im Dorfgemeinschaftshaus auf dem Hof Tenk-Dröning auf. In dem Stück, angelehnt an den Roman "Tannöd" von Andrea Maria Schenkel, floss jedoch nicht nur Herzblut. Die dramatische Geschichte erzählt von Freddie, der sich in einem kleinen Dorf in Charlotte, in die Tochter des Nachbarbauern, verliebt. Diese wird schwanger. Man munkelt, dass ihr Kind nicht von Freddie ist, sondern von ihrem eigenen Vater. So richtig laut sagen mag das aber keiner. Und schon setzt sich ein Gerüchte- Karussell in Gang, das niemand mehr stoppen kann.


Da "Gottverlassen" vom Leben auf dem Lande erzählt, spielte das Stück auch in entsprechender Atmosphäre. Die Zuschauer in Ramsdorf waren mittendrin im Theaterstück. Freddie, ein junger Mann, der seine Frau vor ein paar Jahren durch eine schreckliche Krankheit verloren hatte, wurde von dem Schauspieler gekonnt als zerrissener, verzweifelter Mensch dargestellt. Denn er wird in dem Stück von Charlotte zurückgewiesen, was ihn zusehends leiden lässt.

Überhaupt wird in dem Dorf viel Tratsch und Klatsch verbreitet. Spitz überzeichnete Typen, wie der arrogante Bürgermeister, der Pastor mit einem Faible für Damenpumps, Lehrer Schlauer, dessen Frau weggelaufen ist, und zwei fröhliche Mädchen, die keck um die Beine schwirren und fromme Verse auswendig rezitieren können, sowie der wortkarge und unheimliche Vater Charlottes sie alle treten in dem mal düsteren, mal heiteren Stück auf. In der Inszenierung können alle Dorfbewohner miteinander feiern, dass sich die Balken biegen. Und bei der Party mit viel Alkohol wird Tacheles geredet.

Die Zuschauer waren mal tief berührt von der spürbaren Verzweiflung von Freddie oder Charlotte, dann aber auch wieder mitgerissen von den lustigen Passagen des sonst eher ernsten Stückes. Am Ende der unter die Haut gehenden Darbietung begeht Freddie, gedemütigt und traurig, eine schlimme Tat. Ein blutiger Lappen ist Beweis dafür, dass er mit der Zurückweisung Charlottes nicht zurechtgekommen ist. Und ein Dorf versucht danach, alles wieder so hinzubiegen, wie es mal war.

Nach der Aufführung diskutierten die Akteure mit dem Publikum, um zu erkunden, was wie gefallen, verstört oder belustigt hat. Von der schauspielerischen Leistung des Ensembles zeigten sich die meisten Zuschauer beeindruckt.


09 · 11 · 08



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