Interim-Manager spüren bessere Stimmung: „Unternehmen starten durch“

Jens Christophers.
Jens Christophers.
(Fotos: Gunnar A. Pier)


Münster - Sie springen ein, wenn Führungskräfte abspringen oder übernehmen konkrete Projekte, wenn im Betrieb Not am Mann ist: Interim-Manager. In den vergangenen Monaten gab es für die „Zeitarbeiter im Chefsessel“ wenig zu tun - die meisten Unternehmen hatten schon Probleme, ihre Stammbelegschaft zu beschäftigen. Doch jetzt merken die Interim-Manager deutlich die Frühlingsstimmung.

Unser Redaktionsmitglied Martin Ellerich sprach mit Jens Christophers, Vorstand der Dachgesellschaft Deutsches Interim Management (DDIM), und dem Interim-Manager Ludger Albacht aus Münster.


Die Stimmung in der Wirtschaft hat sich laut Ifo-Institut deutlich gebessert. Merken Sie als Interim-Manager das bereits?

Christophers: Man merkt sehr deutlich, dass die Unternehmen wieder durchstarten wollen. Viele Kollegen haben jetzt schon in den ersten zwei Monaten über 50 Prozent der Anfragen, die sie im ganzen vergangenen Jahr verzeichnen konnten. Allerdings ist es schwer, die Tinte unter das Papier zu bekommen.

Interims-Manager werden oft gerufen, um ein konkretes Problem im Betrieb zu lösen und „aufzuräumen“. Welche Aufgaben geben Ihnen die Betriebe derzeit?

Christophers: Die klassischen Krisenthemen sind durch, jetzt kommt eher der Aufbau. Ich war kürzlich auf einem Symposium mit den Vorständen der wichtigsten deutschen Konzerne. Einhellige Meinung: „Die Krise ist vorbei. Jetzt müssen wir die einmalige Chance nutzen, unsere Unternehmen für die Zukunft aufzustellen und Zukäufe zu tätigen.“ Es wird jetzt investiert in Produkte und in die Infrastruktur.

Das klingt, als gäbe es jetzt nach der Wirtschaftskrise gute Unternehmen günstig zu kaufen.

Christophers: Das ist genau der Eindruck, dass die Größeren jetzt am Ende der Krise die Kleineren schlucken können. Zumal die kleinen derzeit schwer an Geld kommen ...


Ludger Albacht.
Ludger Albacht.


Albacht: Viele Unternehmen haben in der Krise ihre Bestände runtergefahren. Sie müssen jetzt investieren, weil es wieder losgeht. Das zu finanzieren scheint aber schwierig zu sein, weil die Banken bei der Kreditvergabe doch sehr restriktiv sind.

Wie können Interim-Manager dabei helfen?

Christophers: Wir haben zum Beispiel eine Managerin, die kommt aus dem Bankbereich. jetzt hat sie die Schreibtischseite gewechselt und unterstützt Unternehmen auf der Suche nach liquiden Mitteln. Sie ist auch - als Mitarbeiterin des Unternehmens - bei den Gesprächen dabei. Oft scheitern Kreditanträge inzwischen an der Darstellung und den Inhalten der Unterlagen. Der Aufwand ist erheblich gestiegen, weil die Banken sehr viel stärker darauf achten, wem sie das Geld geben und wie sicher es ist.

In der Krise haben viele Unternehmen Lasten auf sich genommen, um Ihre Mitarbeiter mittels Kurzarbeit zu halten. Wie beurteilen Sie den Erfolg?

Christophers: Das war sehr vernünftig, denn die Ressourcen Arbeit und Know-how wieder aufzubauen, braucht seine Zeit und ist sehr kostenintensiv. Wer geht beim Personalabbau denn freiwillig? Diejenigen, die schnell eine neue Stelle finden - oft bei der Konkurrenz. Das heißt: Sie dünnen mit solchen Maßnahmen die Qualität aus.

Sie als Interim-Manager sind selbstständig, bieten Ihre Leistungen den Unternehmen gegen einen Tagessatz an. Wie ist die Entwicklung Ihrer Branche?

Christophers: Die Flexibilisierung im Management schreitet fort: In den letzten acht Jahren hat sich der Umsatz der Interim-Manager in Deutschland verzehnfacht - von 80 Millionen in 2003 auf heute 800 Millionen Umsatz. Im nächsten Jahr werden wir die Milliarde durchbrechen. Und die Zahl der Interim-Manager wird sich binnen fünf Jahren von derzeit 4800 auf rund 10.000 verdoppeln. In den Niederlanden gibt es schon 20.000 Interim-Manager. Dort wird jede zweite Schule von einem Interim-Manager verwaltet.

VON MARTIN ELLERICH, MÜNSTER

29 · 03 · 10


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