Angst und Druck am Bankschalter

Werden insbesondere ältere Kunden bei der Geldanlage von einzelnen Banken gezielt falsch beraten
Werden insbesondere ältere Kunden bei der Geldanlage von einzelnen Banken gezielt falsch beraten
(dpa)


Düsseldorf - Die Gewerkschaft Verdi prangert „Drückermethoden“ am Bankschalter an. Auch nach der Bankenkrise werde bei Banken „systematisch falsch beraten“ und würden Mitarbeiter unter unerträglichen Verkaufsdruck gesetzt, klagte Finanzexperte Roman Eberle.

Eberle kritisierte den zunehmenden Druck in Privatbanken, vor allem älteren Kunden Risiko-Papiere zu verkaufen. „Es hat sich nicht nur nichts geändert - alles ist sogar noch schlimmer geworden.“ Schlechten Verkäufern drohten Abmahnungen bis hin zu „Trennungsgesprächen“, betonte Eberle. Verdi hatte Berater in Banken aufgefordert, im Internet ihre Erlebnisse zu schildern.



Haben Sie Vertrauen zu Ihrem Bankberater?

Finanzexperten der Gewerkschaft Verdi warnen vor gezielter Falschberatung durch Bankberater. Haben Sie Vertrauen zu Ihrem Berater?



Teilweise seien inzwischen auch einzelne Sparkassen und Genossenschaftsbanken dazu übergegangen, Kunden riskante Papiere zu verkaufen. Eberle drohte, künftig „schwarze Schafe“ der Branche öffentlich beim Namen zu nennen.

Zum Schutz der Bankkunden forderte Grünen-Geschäftsführer Johannes Remmel eine Aufstockung der NRW-Verbraucherberatung mit 20 Finanzexperten. Außerdem verlangte Remmel die Gründung einer Stiftung, die vom Land, Banken und Sparkassen gemeinsam finanziert wird. Damit sollen auf längere Sicht 200 unabhängige Berater finanziert werden. „Es fehlt ein Finanzmarkt-TÜV.“

Nach Verdi-Angaben müssen Bankberater teilweise mehrmals täglich Verkaufszahlen vorlegen. „Wer bestimmte, vorgegebene Produkte nicht verkauft, bekommt Stress mit der Bankspitze“, weiß Eberle. „Es wird verkauft auf Teufel komm raus.“ Aus Sicht Remmels gibt es „viel zu wenig unabhängige Beratung bei Geldgeschäften“.

Nach Gewerkschaftsangaben ist der Leidensdruck der Bankmitarbeiter inzwischen „unerträglich hoch“. In vielen Banken würden Angst und Verunsicherung der Mitarbeiter systematisch gesteigert. Laut Verdi hatten Mitarbeiter im Internet beklagt, dass Führungskräfte im Vertrieb 20 bis 50 Prozent des Jahresgehalts als Provision erhalten. Deshalb stehe „Verkauf und Ertrag oft vor Beratung“.

VON WILFRIED GOEBELS, DÜSSELDORF

16 · 06 · 09


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