Berlin - Die Sitzordnung im künftigen Bundestag spricht eine klare Sprache. Die Grünen sitzen wieder eingeklemmt zwischen der SPD und der CDU/CSU. Doch mehr als jemals zuvor beschreibt diese räumliche Platzierung im Parlament die strategische Aufgabe der grünen Partei. Besetzt sie den ihr zugewiesen Platz der Mitte auch inhaltlich, wird sie zu einer eher links-liberalen Partei? Oder pflegt sie ihr rot-grünes Erbe und versucht im Schlepptau der zu erwartenden rot-roten Annäherungsversuche in einem neuen Linksbündnis die schwarz-gelbe Regierung anzugreifen?
Bei den Grünen war am Tag „eins“ nach der Wahl noch vorsichtiges Tasten angesagt. Die erste Personalentscheidung gibt allerdings schon eine Richtung vor. Fritz Kuhn, Realopolitiker und einstiger Joschka-Ziehsohn, muss seinen Posten räumen. An seine Stelle rückt Jürgen Trittin zum neuen Fraktionschef auf. Renate Künast bleibt Fraktionsvorsitzende und wird die Wendung vollziehen müssen, von einer linken Vertreterin im grünen Spektrum zur Sachwalterin der Realo-Gruppierung zu werden. Nach dieser Bundestagswahl treten die schon vergessenen Strömungen wieder stärker zutage.