Münsterland/Port-au-Prince - Tobias Kann hat sich freiwillig gemeldet. Für einen Einsatz in einer Rettungsstation, die per Flugzeug von Europa aus in eine Trümmerwüste namens Leogane geschickt wurde. Jetzt hilft der 36-Jährige aus Gräfelfing im Katastrophengebiet Haitis bei der medizinischen Versorgung. Schwerstarbeit in der Hitze, nicht nur für den Körper eine Belastung.
„Heute circa 110 Patienten. Sichtung zweier Dörfer. Wir versuchen, ein zweites Camp einzurichten, da Versorgung der Menschen noch sehr spärlich. So viele Kinder! Hatte Tränen in den Augen“, schreibt Tobias Kann in einem Internet-Blog. Freunde aus der Heimat machen ihm Mut: „Kopf hoch, Tobi.“
Spendenaktion der Zeitungsgruppe Münsterland: Malteser-Projekt, Spendenkonto bei der Darlehnskasse Münster, Kto.-Nr. 350 78 00, BLZ 400 602 65, Stichwort: Haiti-ZGM
Haiti hat drei Wochen nach der Erdbeben-Katastrophe vielfach die Schlagzeilen verlassen. Dabei ist die Lage im Inselstaat noch so, dass selbst Katastrophenexperten lange brauchen, um sich in dem Chaos zurechtzufinden. 180 000 Menschenleben hat das Beben gekostet, 200 000 Männer, Frauen und Kinder wurden zum Teil erheblich verletzt. Man geht vor Ort davon aus, dass inzwischen eine halbe Million Menschen die zu einem großen Teil zerstörte Hauptstadt Port-au-Prince verlassen hat. Die Zahl der verwaisten Kinder und Jugendlichen soll inzwischen bei einer Million liegen.
Die Malteser, deren Arbeit die Leserinnen und Leser dieser Zeitung mit ihren Spenden unterstützen, sind in Haiti seit Mitte Januar mit einen international besetzten Team aktiv. Seit dem vergangenen Freitag leitet der Hilfsdienst den Gesundheitsposten in der Stadt Leogane. Dort waren zuvor argentinische Helfer im Einsatz.
„Heute gefühlte 40 Grad. Patienten verlegt, um mehr Platz für die anderen Patienten zu schaffen“, berichtet Thomas Kann. „Wasserpumpe ohne Strom; nach einiger Improvisation mit Arche-Nova ein Dieselaggregat vom Grundbesitzer angeschlossen.“
In dem Gesundheitsposten wurden bisher schon über 2000 Menschen behandelt. „Noch sind die Zustände im Camp sehr rudimentär, die Patienten liegen auf dem Boden“, berichtet Beate Maass, Nothilfekoordinatorin der Malteser aus Leogane. Dringender Bedarf besteht auch an Latrinen für die Patienten sowie an Transportmitteln.
Um die Wasser- und Abwasserversorgung in der Region Leogane zu verbessern und den Ausbruch von Epidemien zu verhindern, haben die Malteser mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes zwei Trinkwasseraufbereitungsanlagen in die Region Leogane gebracht: Sie produzieren 6000 Liter Wasser pro Stunde für rund 8000 Menschen.
Trotz des apokalyptischen Erlebnisses, so schreibt Malteser International, blickten die Menschen nach vorn. „Sie schaffen sich hinter Planen und Decken Lebensräume, tragen Trümmer ab, handeln mit kleinen Dingen - und beten.“
Die zweite Gesundheitsstation entsteht in Darbonne, wenige Kilometer von Leogane entfernt. Mobile medizinische Teams werden die Kranken und Verletzten in ihren Dörfern behandeln.
Die von unserer Zeitung angestoßene Spendenaktion „Wir helfen Haiti“ hat mittlerweile eine Zwischenstand von 700 628,86 Euro erreicht. 7344 Überweisungen gingen bisher auf das Konto bei der Darlehnskasse Münster ein. Mit dem Geld werden die Malteser in Haiti ein Wiederaufbau-Projekt durchführen.