Der Mann brennt - Neil Young live in Oberhausen

Gitarrennarr in Oberhausen: Neil Young am 9. Juli 2008
Gitarrennarr in Oberhausen: Neil Young am 9. Juli 2008
(Foto: Gunnar A. Pier)


Oberhausen - An diesem Abend spielt Zeit keine Rolle. Innerhalb von zwei Stunden präsentierte Neil Young Songs aus vier Jahrzehnten. Das Bühnenbild ist zeitlos karg gehalten: auffallend lediglich ein rot leuchtendes Telefon, dessen Funktion sich zunächst genauso wenig erschließt wie der wirre Buchstabensalat, der im Hintergrund hängt.

Rechts steht ein hölzerner Häuptling, doch der wahre Chef steht in der Mitte. Es gibt keine Momente, in denen der Kanadier nicht im Mittelpunkt steht. Nichts, was von Neil Young ablenkt. Auch nicht die Vorband The Hives. Gäbe es ein Zeugnis für Vorbands, hätten die Schweden den Vermerk, dass sie stets bemüht waren, durchaus verdient. Sie spielten sich durch ihre Songs gleich bleibender Qualität und versuchten gute Stimmung zu erzeugen.


Neil Youngs Konzert war angekündigt als „Electric Rock Show“. Aber mit einem solch fulminanten Einstieg hatte keiner gerechnet. „Es ist besser, sich völlig zu verbrennen, als zu verrosten“ singt der mittlerweile 62-Jährige im zweiten Lied des Abends und liefert damit gleichzeitig das Motto des Abends. Brachial wie ein Berserker wühlt und kämpft sich Neil Young durch seine Gitarrensaiten. Ungläubig staunen die Holzfällerhemden tragenden Fans, während ihr Idol Bäume ausreißt, und vergessen dabei das Applaudieren.


Neil Young in Oberhausen.
Neil Young in Oberhausen.
(Foto: Gunnar A. Pier)


Neil Young, der nach Bob Dylan die zweite Mundharmonika im Musikbusiness spielt, zelebriert eine kaum wieder zu erkennende Version von „All along the watchtower“, bevor der Abend in eine akustisch gehaltene und countryhafte Phase übergeht. Wären früher bei „Oh, lonesome me“ Wunderkerzen und Feuerzeuge gezückt worden, leuchten heute die Displays vieler Handys.

In den intimen Momenten, in denen Neil Young ohne seine Begleitband an der Orgel spielt, wirken die 6.000 Zuschauern in der halb gefüllte König-Pilsener-Arena andächtig wie in einer Kirche. Für die einzige Bewegung auf der Bühne sorgt ein Schnellzeichner wie einst in der Quiz-Show „Dalli Dalli“. Seine Bilder zeigen auf einer Staffelei am Bühnenrand an, welche Lieder gerade gespielt werden.
Ohne großartige Ansagen zwischen den Songs wechselt Young dann wieder zur elektrischen Gitarre.

Knapp 20 Minuten verausgabt er sich bei „No hidden path“ vom aktuellen Album „Chrome Dreams II“ und wird mit stehenden Ovationen belohnt. Beim abschließenden Beatles-Stück „A day in the life“ quält der kanadische Musiker noch ein wenig sein Instrument und verschwindet kurz winkend von der Bühne. Zurück bleibt sein Vorname in rot leuchtenden Lettern und ein großartig gelungener Konzert-Abend.

VON CARSTEN VOGEL, MÜNSTER

10 · 07 · 08


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